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Messiaen in meditativ-sinnlichen Sphären
 
Im Komponisten Olivier Messiaen finden Laszlo Spiro und Guido Keller eine Verbindung
 
Der E-Gitarrist Laszlo Spiro und der Organist Guido Keller haben sich zum «Messiaen Project» zusammengetan. Am Sonntag haben sie Teil II vorgestellt. / philippe reichen Man stelle sich eine Begegnung zwischen einem Organisten und einem E-Gitarristen vor. Oder ganz konkret: Pater Theo Flury trifft auf Jimmy Hendrix. Mehr als ein freundliches «guten Tag» und distanziert künstlerische Hochschätzung mag man sich kaum vorstellen. Während der eine seinen Orgelpfeifen Leben einhaucht, zieht der andere ganz andere Saiten auf. Laszlo Spiro und Guido Keller sprengen diesen Rahmen. Sie haben Interesse aneinander gefunden und sich entschlossen, gemeinsame Sache zu machen. Wohl kam der Vorschlag vom Organisten, sich doch gemeinsam um den kolossalen Franzosen Olivier Messiaen zu kümmern. Von ihm sagt man, er habe 700 Vogelstimmen unterscheiden können. So unglaublich tönen auch seine Kompositionen. Dieser Vorschlag konnte Laszlo Spiro nur recht sein. Spiro entfaltet sich nicht nur als Gitarrist, sondern auch als Komponist. Messiaen spielen bedeutet immer auch dem Meister über die Schulter zu schauen.
 
Meditativ wie Minimal Music
«The Messiaen Project». Unter diesem Arbeitstitel machen Spiro und Keller gemeinsame Sache und erklären: «Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, mittels der Moderation von Messiaen in Improvisationen und Neukompositionen eine eigene Klangwelt zu schaffen, in der E-Gitarre und Orgel sich sphärisch vereinen.» Konkret: Sie nutzen die alles sprengende Akkordmasse Messiaens, um die E-Gitarre darüber improvisieren zu lassen. Das Projekt geht auf: Die Sphären treffen sich, die Klangfarben durchmischen sich. Mit einem ähnlichen Effekt, der die Minimal Music eines John Adams auszeichnet. Spiro und Keller schaffen ein neues meditativ- sinnliches Klangerlebnis. Mit schnarrender
Elektronik als drittes Element im Hintergrund setzt Spiro einen rhythmischen Raster. Der Organist wandert in Halbtonschritten über die Klaviatur. Die Akkorde wechseln unentwegt, die Klangfarben mit ihnen. Das Motiv bleibt stets dasselbe, und Spiro hat alle Freiheiten, seine im Übrigen inspirierten Improvisationen zu platzieren. Das Messiaen-Projekt ist mehr als ein musikalisches Allerweltslabel. Es fordert Offenheit, sich auf musikalische Grenzerfahrungen einzulassen. Etwas mehr als eine Hand voll Leute hatte am Sonntag die Musse dafür. Da wirkt Samuel Barbers Adagio, mit dem er nicht nur Musik- sondern auch Filmgeschichte geschrieben hat, wie ein besinnlich ruhender Pol, um den herum das eine das nächste ergibt. Keller zieht das Adagio in einer Bearbeitung für Soloorgel in die Länge, gibt ihm ein distanziertes Timbre, um es am Ende in scharfen Kontrasten zum Kulminationspunkt zu treiben und dann sanft ausklingen zu lassen.
 
Fortsetzung gewünscht
Wo sich zwei Welten treffen, da bleibt ein Drittes übrig. Fusion müsste man den Stil wohl nennen, und das im wörtlichen Sinn. Die Verschmelzung von Orgel und E-Gitarre hat in der Kirche Heiligkreuz ihren optimalen Klangraum. Das Messiaen-Projekt, so ist zu hoffen, erlebt in Kürze seinen dritten Teil. Ein wenig mehr Messiaen wäre dann der Wunsch. Der Koloss gehört auf den Sockel.
 
St.Galler Tagblatt
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© Laszlo Spiro